Allein-Erziehend

Vor etwa einem Jahr, zeichnete sich immer klarer ab dass ich mich trennen werde.
Trennen vom Vater meiner Tochter. Sie war fünf Monate alt und in den fünf Monaten seit ihrer Geburt hatte sich sehr viel bewegt, in mir, und somit auch in meiner Beziehung.

Ich habe mich verändert, verändert auf eine Art und Weise die mich selbst teils überfordert hat, ganz sicher aber auch den Mause-Pa.
Es tat mir weh, es tat mir leid, ich habe mich lange gewehrt. Am 12.12.2008 bin ich den endgültigen Schritt gegangen. Mein Papa, hat uns abgeholt, weg aus Leipzig. Weg von meiner Partner und Minis Papa. Weg von einer guten und sehr lieben Freundin.

Ich hatte nur eine vage Vorstellung von dem was mich erwarten wird. Ich wusste nicht viel, nur das es anstrengend wird und ich jetzt meine Familie brauche.
Die kommenden Wochen und Monate waren kraftraubend, verausgabend, ermüdend. Ich hab gezweifelt, ich habe geheult, ich wollte nicht, dachte ich könnte nicht mehr.
Doch mit einem Säugling im Tuch stellt sich die Frage nicht ob man aufgibt. Mit einem Säugling im Tuch macht man weiter.
Es hat meine ohnehin schon grenzenlose Liebe für dieses kleine Mädchen gestärkt, eingebrannt bis in die letzte Faser meines Körpers. Sie hat verhindert dass ich mich, meinen Ängsten, meinem Wahnsinn, meinen Zweifeln hingeben und ausliefern konnte.
Die Nächte waren schlecht, ein Schub nach dem anderen kam und ging, sie lernte sich drehen mit 5 1/2 Monaten bekam die ersten Zähnchen (mit Fieber und allem drum und dran) mit genau 7 Monaten, sie begann zu krabbeln mit 8 1/2 Monaten, eine Woche später übte sie Stehen, mit einem Jahr und anderthalb Wochen machte sie ihre ersten freien Schritte, mit 13 Monaten fing sie an “(M)Ama” zu sagen und seit zwei Wochen rennt sie. All das, hat ihr Vater nie mitbekommen. Ich habe versucht ihn einzubinden, habe versucht ihm seine Tochter nahe zu halten. Aber das brauchte immer wieder Energie die ich nicht hatte, und es hätte seine Kooperation gebraucht.

Als meine Tochter elf Monate alt war, ging ich zum Jugendamt, und bat um Hilfe.
Der Vater, der auch das Sorgerecht hat, kümmert sich aus eigener Intention, kaum mehr um sein Kind. Ich konnte es auf der einen Seite verstehen, auf der anderen erwartete ich von einem erwachsenen Menschen die Fähigkeit über seinen Schatten zu springen, unsere Beziehungsgeschichten außen vor zu lassen und sich um sein Kind zu kümmern.
Im Gespräch mit dem Jugendamt und dem kurz darauf folgenden Gespräch mit der Erziehungsberatungsstelle wurde immer klarer das ich seinen Part der Verantwortung nicht übernehmen kann und will.

Die zwei Besuche die er in den vergangenen fünf Monaten absolviert hatte, schlief er in meinem Wohnzimmer, half mir auch bei nötigen und zu erledigenden Dingen in der Wohnung und im Haushalt. Aber ich habe mich dabei nicht wohlgefühlt.
Ich dachte, ich müsse ihn bei mir nächtigen lassen, damit er sein Kind sieht. Erst in den Gesprächen wurde mir klar das ich das nicht muss. Ich habe Begriffen das ich auf mich Acht geben muss, mich und mein Kind. Nicht ihn.
Seit ich ihm mitteilte das er nicht mehr bei mir Schlafen kann, haben wir nichts mehr von ihm gehört…
Ich habe diese Angelegenheit, in die Hände des Jugendamtes abgegeben. Ich habe keine Energie dafür.

Und in all dieses Chaos, kam P.
Unverhofft und unvorbereitet traf er mich. Ich hatte vor, die nächsten 5 Jahre Single zu bleiben. Ich wollte keine Beziehung. Mich nicht schon wieder an einem Mann aufreiben. Meine Energie auf mein Kind und mich fokussieren.
Und ich konnte trotzdem nicht locker lassen.
ich weiss nicht was passiert wäre, hätte ich P. fahren lassen, zurück nach Wien – auch das noch, ein Mann der fast 1000 km weit weg lebt – und ihm irgendwann seinen Pulli schicken können. Ich hätte die Mail nicht schreiben können, hätte die folgenden Gespräche ohne all meinen Emotionen führen können.
Wo wären wir dann angekommen?
Es spielt keine Rolle. Denn P. ist da, wird geliebt. von der Minimaus und von mir.
Und so schwer es ist, auf Distanz, mit Kind, allein-erziehend, soviel schöpfe ich aus dieser Beziehung.

Danke. Ich liebe euch.

2 Kommentare

  1. Nadine
    geschrieben am 18.11.2009 um 21:18 Uhr | Permalink

    *schnüff*

  2. geschrieben am 18.01.2010 um 00:58 Uhr | Permalink

    Kaum zu fassen… Wie schön, dass sich im Leben oft genau dann wieder eine neue Tür auftut, wenn eine andere zugeht. Alles Gute!

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